Ratgeber Eigenverbrauch
Eigenverbrauch optimieren: So nutzen Sie Ihren Solarstrom selbst
Seit 2026 wird eingespeister Solarstrom schweizweit nach dem Marktpreis vergütet, mit einer Minimalvergütung von 6 Rp./kWh für kleine Anlagen. Strom aus dem Netz kostet einen Haushalt im Kanton Zürich dagegen rund 24 bis 30 Rp./kWh. Wer seinen Solarstrom selbst nutzt, holt deshalb deutlich mehr aus der Anlage heraus.
Warum der Eigenverbrauch über die Rendite entscheidet
Eine Photovoltaikanlage produziert vor allem über Mittag und im Sommer. Ein typischer Haushalt verbraucht dagegen morgens, abends und im Winter am meisten. Ohne gezielte Massnahmen nutzt ein Einfamilienhaus deshalb als Richtwert nur etwa 20 bis 35 % des eigenen Solarstroms direkt. Der Rest fliesst ins Netz.
Für diesen Überschuss erhalten Sie seit dem 1. Januar 2026 eine schweizweit harmonisierte Rückliefervergütung, die sich am vierteljährlich gemittelten Referenz-Marktpreis orientiert. Im zweiten Quartal 2026 lag dieser bei 3,896 Rp./kWh. Für Anlagen unter 30 kW gilt eine Minimalvergütung von 6,00 Rp./kWh. Je nach Versorger kommt eine Vergütung für Herkunftsnachweise (HKN) dazu. Die Details erklärt der Ratgeber Einspeisevergütung Schweiz.
Selbst genutzter Solarstrom ersetzt dagegen Netzstrom zum vollen Preis. Laut ElCom zahlt ein Schweizer Haushalt 2026 im Median 27,7 Rp./kWh, bei den EKZ rund 24,1 Rp./kWh und bei Stadtwerk Winterthur rund 30,5 Rp./kWh. Jede Kilowattstunde, die Sie vom Netz in den Eigenverbrauch verschieben, ist damit ungefähr 15 bis 20 Rappen mehr wert. Das ist der zentrale Hebel für die Frage, ob sich Photovoltaik in der Schweiz lohnt.
Was eine Kilowattstunde wert ist
Vergleich für Haushalte 2026 (H4, inkl. MwSt). Einspeisewerte je nach Modell und Saison.
Individuelle Offerte erhaltenEKZ
Bezug ca. 24,1 Rp. / Einspeisung Marktpreis, mind. 6,0 Rp. + HKN bis 3,0 Rp.
Differenz ca. 15–18 Rp.
Stadtwerk Winterthur
Bezug ca. 30,5 Rp. / Einspeisung 10 Rp. Sommer, 13 Rp. Winter
Differenz ca. 17–21 Rp.
ewz (Stadt Zürich)
Einspeisung Festmodell ca. 12,91 Rp., ewz.solarquartier 14 Rp.
Bezugspreis bei ElCom prüfen
Schweizer Median
Bezug 27,7 Rp. / Minimalvergütung 6,0 Rp.
Differenz ca. 21,7 Rp.
Werte gerundet, Stand 2026. Für ewz nennen wir keinen Bezugspreis; Ihren Tarif finden Sie auf strompreis.elcom.admin.ch.
Sieben Massnahmen für mehr Eigenverbrauch
Nicht jede Massnahme passt zu jedem Haushalt. Am meisten bringen Verbraucher, die viel Energie benötigen und zeitlich flexibel sind. Die folgende Reihenfolge beginnt bei den günstigen Schritten.
1. Verbrauch in die Mittagsstunden verschieben
Waschmaschine, Tumbler und Geschirrspüler mit Startzeitvorwahl laufen lassen, wenn die Sonne scheint. Das kostet nichts und bringt in vielen Haushalten bereits einige Prozentpunkte.
2. Warmwasser mit Solarstrom erzeugen
Ein Elektroboiler oder ein Wärmepumpenboiler lässt sich so steuern, dass er tagsüber aufheizt. Wasser ist ein günstiger Speicher, der über Nacht warm bleibt.
3. Wärmepumpe intelligent ansteuern
Eine Wärmepumpe ist oft der grösste Verbraucher im Haus. Über eine Smart-Grid-Schnittstelle kann sie Überschüsse nutzen und das Gebäude oder den Speicher vorheizen. Mehr dazu im Ratgeber Photovoltaik und Wärmepumpe kombinieren.
4. Elektroauto mit Überschussladen
Eine Wallbox mit Überschussladung lädt nur dann, wenn die Anlage mehr produziert als das Haus braucht. Steht das Auto tagsüber zu Hause, ist das einer der wirksamsten Hebel. Eine Wallbox kostet laut Richtwerten der Plattform zusätzlich CHF 1'500 bis 4'000.
5. Energiemanagementsystem
Ein Energiemanager koordiniert Wärmepumpe, Boiler, Wallbox und Speicher. Er verteilt Überschüsse nach Prioritäten und verhindert, dass mehrere Verbraucher gleichzeitig Netzstrom ziehen.
6. Batteriespeicher
Ein Speicher verschiebt Solarstrom in den Abend. Er ist allerdings die teuerste Massnahme und wird vom Bund nicht gefördert. Ob er sich rechnet, zeigt der Ratgeber Batteriespeicher Kosten Schweiz.
7. Strom teilen: ZEV, vZEV oder LEG
Wer mehr produziert als er braucht, kann den Überschuss im Gebäude (ZEV, vZEV) oder seit 2026 im Quartier über eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft teilen. Im LEG gilt für lokal geteilten Strom ein Rabatt von 40 % auf das Netznutzungsentgelt. Beispiele sind ewz.solarquartier in der Stadt Zürich und die «Dübi-LEG» in Dübendorf.
Rechenbeispiel: 10 kWp Einfamilienhaus im EKZ-Gebiet
Annahme: 10 kWp, Ertrag ca. 10'000 kWh pro Jahr, Bezugspreis 24,1 Rp./kWh, Einspeisung zur Minimalvergütung 6,0 Rp./kWh ohne HKN.
Individuelle Offerte erhalten30 % Eigenverbrauch
3'000 kWh × 24,1 Rp. + 7'000 kWh × 6,0 Rp.
ca. CHF 1'143 pro Jahr
45 % Eigenverbrauch
4'500 kWh × 24,1 Rp. + 5'500 kWh × 6,0 Rp.
ca. CHF 1'415 pro Jahr
60 % Eigenverbrauch
6'000 kWh × 24,1 Rp. + 4'000 kWh × 6,0 Rp.
ca. CHF 1'686 pro Jahr
Mehrwert je 1'000 kWh
24,1 Rp. minus 6,0 Rp.
ca. CHF 181
Vereinfachte Rechnung ohne HKN, Unterhalt und Preisänderungen. Ein Eigenverbrauch von 60 % ist meist nur mit Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher erreichbar.
Besonderheiten im Kanton Zürich
Wie stark sich Eigenverbrauch lohnt, hängt im Kanton Zürich vom Netzgebiet ab. Im grössten Versorgungsgebiet, dem der EKZ, ist die Differenz zwischen Bezug und Minimalvergütung mit rund 18 Rp./kWh hoch. In Winterthur ist der Bezugspreis mit rund 30,5 Rp./kWh höher, dafür vergütet Stadtwerk Winterthur 2026 fest 10 Rp. im Sommer und 13 Rp. im Winter. Für 2027 sind tiefere Sätze angekündigt: 9,00 Rp. im Sommer und 11,70 Rp. im Winter.
In der Stadt Zürich zahlt ewz im Festmodell durchschnittlich ca. 12,91 Rp./kWh, über ewz.solarquartier 14 Rp./kWh. Dort ist die Einspeisung also vergleichsweise attraktiv, Eigenverbrauch bleibt aber trotzdem der wertvollere Weg. Bei kleineren Werken, etwa am Zürichsee oder im Zürcher Oberland, erfragen Sie Bezugs- und Rückliefertarif direkt beim Werk.
Zu beachten ist zudem: Versorger dürfen bis 3 % der Jahresenergie kostenfrei abregeln. Wer Spitzen selbst nutzt, ist davon weniger betroffen. Und bei der Planung der Anlagengrösse lohnt es sich, den künftigen Verbrauch einzurechnen; siehe Welche PV-Anlagengrösse brauche ich?.
Checkliste: Eigenverbrauch Schritt für Schritt erhöhen
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FAQ
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Eigenverbrauch ohne Speicher?
Als Richtwert nutzt ein Einfamilienhaus ohne Speicher etwa 20 bis 35 % des Solarstroms selbst. Mit Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher liegt der Anteil deutlich höher.
Was ist der Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Autarkie?
Der Eigenverbrauch beschreibt, welcher Anteil der Produktion im Haus genutzt wird. Die Autarkie zeigt, welcher Anteil des Verbrauchs durch Solarstrom gedeckt ist. Beide Werte sollten in einer Offerte ausgewiesen sein.
Lohnt es sich, die Anlage kleiner zu planen, um den Eigenverbrauch zu erhöhen?
Eine kleinere Anlage hat zwar einen höheren Eigenverbrauchsanteil, produziert aber weniger. Da die Kosten pro kW mit der Grösse sinken, ist eine gut genutzte Dachfläche meist die bessere Wahl.
Was bringt eine Wallbox mit Überschussladen?
Sie lädt das Auto vorrangig mit Solarstrom. Jede so geladene Kilowattstunde ersetzt Netzstrom zum vollen Bezugspreis statt nur die Einspeisevergütung zu erzielen.
Wird das Energiemanagement gefördert?
Der Bund fördert nur die PV-Anlage selbst über die Einmalvergütung. Kommunale Programme können weitere Elemente unterstützen; fragen Sie bei Ihrer Gemeinde oder Ihrem Werk nach.
Senkt ein hoher Eigenverbrauch meine Steuern?
Eingesparter Netzstrom ist kein Einkommen. Bei Einspeiseerlösen gilt im Kanton Zürich seit Dezember 2022 das Nettoprinzip. Klären Sie Details mit Ihrer Steuerberatung.
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Weiterführende Seiten
Quellen (Stand Oktober 2026): Swissolar: 2026 – was gilt neu für Photovoltaikanlagen · ElCom: Strompreise 2026 · EKZ: Rückliefertarife 2026 · ewz: Solarstrom und ewz.solarquartier · Stadtwerk Winterthur: Rückliefertarife. Tarife und Förderprogramme können ändern; massgebend sind die Angaben der jeweiligen Stelle.
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