Ratgeber Dachtypen
Photovoltaik auf Flachdächern
Flachdächer auf Mehrfamilienhäusern, Gewerbebauten und modernen Einfamilienhäusern sind für Photovoltaik oft ideal: kaum Verschattung, gute Zugänglichkeit und viel Fläche. Damit die Anlage Jahrzehnte hält, müssen Aufständerung, Statik und Abdichtung jedoch sorgfältig geplant werden. Dieser Ratgeber erklärt die Systeme und worauf Sie im Kanton Zürich achten sollten.
Warum Flachdächer für Photovoltaik attraktiv sind
Auf einem Flachdach können Sie die Ausrichtung der Module frei wählen, unabhängig davon, wie das Gebäude steht. Zudem sind Flachdächer meist gut begehbar. Das senkt den Aufwand für Gerüst und Absturzsicherung im Vergleich zu steilen Ziegeldächern und vereinfacht später Wartung und Kontrolle.
Hinzu kommt, dass Anlagen auf Flachdächern vom Strassenraum aus oft kaum sichtbar sind. Das ist besonders in Gemeinden mit strengen Ortsbildvorgaben ein Vorteil. Im Kanton Zürich gelten genügend angepasste Dachanlagen grundsätzlich als meldepflichtig statt bewilligungspflichtig (Art. 18a RPG, Art. 32a RPV). Für Flachdächer enthält Art. 32a RPV eigene Vorgaben, wie hoch die Module über die Dachkante ragen dürfen. Klären Sie diese Punkte früh mit Ihrem Fachbetrieb und der Gemeinde. In Kernzonen, bei Schutzobjekten und im Ortsbildschutz ist auch auf Flachdächern eine Baubewilligung nötig.
Montagesysteme im Vergleich
Die Wahl des Systems bestimmt, wie viel Leistung auf das Dach passt, wie der Ertrag über den Tag verteilt ist und welche Lasten auf das Dach wirken.
Individuelle Offerte erhaltenOst-West-Aufständerung
Module paarweise flach geneigt, dicht an dicht; geringe Windangriffsfläche
mehr kWp pro m², gleichmässiger Tagesverlauf
Süd-Aufständerung
Reihen mit Abstand gegen Eigenverschattung
höherer Ertrag pro kWp, weniger kWp pro m²
Solargründach
Aufständerung kombiniert mit extensiver Begrünung
Begrünung und Strom auf einer Fläche
Ballastierte Montage
Beschwerung statt Durchdringung der Abdichtung
Statik prüfen
Mechanische Befestigung
Verankerung in der Tragkonstruktion
wenig Zusatzlast, aufwendige Abdichtung
Welche Variante passt, hängt von Tragreserve, Abdichtung, Windzone und Verbrauchsprofil ab.
Ost-West oder Süd: Was bringt mehr?
Bei der Süd-Aufständerung erreicht jedes Modul einen hohen Jahresertrag, eher am oberen Ende der Spanne von 900 bis 1'100 kWh pro kWp. Weil sich die Reihen nicht gegenseitig verschatten dürfen, braucht es aber Abstand. Auf derselben Fläche passen weniger Module.
Ost-West-Systeme liegen dicht an dicht. Pro kWp ist der Ertrag etwas tiefer, dafür passt deutlich mehr Leistung auf das Dach, und die Produktion verteilt sich über Morgen und Abend. Das passt gut zum Verbrauch von Haushalten und erhöht den Eigenverbrauch. Für Mehrfamilienhäuser und Gewerbe ist Ost-West deshalb häufig die wirtschaftlichere Wahl. Wie Sie die passende Leistung bestimmen, erklärt Welche PV-Anlagengrösse brauche ich?.
Als grobe Faustregel gilt 1 kWp pro 5 m² Dachfläche. Auf Flachdächern hängt der tatsächliche Wert stark von Randabständen, Wartungswegen, Oberlichtern und Lüftungsaufbauten ab.
Statik, Abdichtung und Begrünung
Statik und Windlast
Ballastierte Systeme bringen zusätzliches Gewicht auf das Dach. Bei älteren Gebäuden ist die Tragreserve nicht immer bekannt. Ein seriöser Fachbetrieb lässt die Statik prüfen und berechnet den Ballast nach Windzone, Gebäudehöhe und Lage auf dem Dach. Randbereiche und Ecken sind stärker windbelastet. In höheren Lagen, etwa im Zürcher Oberland, spielt zusätzlich die Schneelast eine grössere Rolle.
Abdichtung zuerst
Die Module bleiben 25 bis 30 Jahre auf dem Dach. Ist die Abdichtung älter oder schadhaft, sollte sie vor der Montage saniert werden. Ein späterer Rückbau der Anlage für eine Dachsanierung verursacht vermeidbare Kosten. Wird gleichzeitig gedämmt, fördert der Kanton Zürich die Dämmung mit CHF 40 pro m² und die PV-Anlage mit einem Zusatzbeitrag von CHF 20 pro m² Modulfläche.
Solargründach
Viele Flachdächer sind begrünt oder müssen nach den Bauvorschriften der Gemeinde begrünt werden. Photovoltaik und extensive Begrünung lassen sich kombinieren, wenn die Module ausreichend hoch aufgeständert sind und die Pflanzen sie nicht verschatten. Die Begrünung kann zudem als Ballast dienen und kühlt die Umgebung der Module, was ihren Wirkungsgrad leicht verbessert.
Rechenbeispiele für Flachdachanlagen
Die Beispiele zeigen die Einmalvergütung und die Minimalvergütung für Rücklieferung bei typischen Grössen.
Individuelle Offerte erhalten10 kWp, Einfamilienhaus
10 × CHF 360; Minimalvergütung 6,00 Rp./kWh
ca. CHF 3'600 EIV
30 kWp, Mehrfamilienhaus
30 × CHF 360; BFE-Median 10–30 kW CHF 1'700–1'900/kW
ca. CHF 10'800 EIV
50 kWp, Gewerbe
30 × CHF 360 + 20 × CHF 300
ca. CHF 16'800 EIV
Minimalvergütung 50 kWp mit Eigenverbrauch
180 ÷ 50
3,6 Rp./kWh
Minimalvergütung 100 kWp mit Eigenverbrauch
180 ÷ 100
1,8 Rp./kWh
Leistungsbeitrag laut Branchenquellen, aktuelle Ansätze mit dem Tarifrechner von Pronovo prüfen. Ab 100 kW gilt die GREIV mit Gesuch vor Baubeginn.
Was die Zahlen für die Planung bedeuten
Eine Flachdachanlage mit 30 kWp auf einem Mehrfamilienhaus kostet nach BFE-Median rund CHF 51'000 bis 57'000 exklusive MwSt, bevor rund CHF 10'800 Einmalvergütung abgezogen werden. Ab 30 kW sinkt jedoch die Minimalvergütung für eingespeisten Strom mit Eigenverbrauch stufenweise. Bei 50 kWp liegt sie nur noch bei 3,6 Rp./kWh. Je grösser die Anlage, desto wichtiger wird deshalb ein hoher Eigenverbrauch.
Bei Mehrfamilienhäusern gelingt das mit einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV oder vZEV), bei dem die Eigentümerschaft den Solarstrom an die Mietenden verkauft. Seit 2026 ist zudem eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) mit Nachbarn möglich. Mehr dazu im Ratgeber Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern. Für Betriebe mit hohem Tagesverbrauch lohnt der Blick in Photovoltaik für Gewerbe. Einen Überblick über alle Fördertöpfe gibt Photovoltaik Förderung Zürich.
Für grosse Dächer ist ausserdem eine politische Entwicklung relevant: Dem Kantonsrat liegt 2026 eine Vorlage für eine Solarpflicht auf geeigneten Dächern über 300 m² vor, bei bestehenden Bauten erst bei einer Dachsanierung. Beschlossen ist sie noch nicht.
Checkliste für Ihre Flachdachanlage
Flachdächer in den Zürcher Regionen
Im Zürcher Unterland mit seinen Gewerbe- und Logistikgebäuden finden sich besonders viele grosse Flachdächer, siehe Photovoltaik Zürcher Unterland. Bei Anlagen in Flughafennähe, etwa in Kloten, kann die Blendwirkung geprüft werden. Ob ein Blendgutachten nötig ist, klärt der Fachbetrieb im Einzelfall mit der Gemeinde, idealerweise bevor die Ausrichtung der Module festgelegt wird. In der Stadt Zürich stehen viele Mehrfamilienhäuser mit Flachdach, für die ewz und die städtische Förderung interessant sind, siehe Photovoltaik Zürich. Wie viel eine Anlage insgesamt kostet, zeigt Was kostet eine Photovoltaikanlage in Zürich?.
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Beantworten Sie einige kurze Fragen – dauert ca. 2 Minuten.
FAQ
Häufige Fragen
Braucht eine PV-Anlage auf dem Flachdach eine Baubewilligung?
Genügend angepasste Anlagen müssen im Kanton Zürich in der Regel nur gemeldet werden. In Kernzonen, bei Schutzobjekten und im Ortsbildschutz ist eine Baubewilligung nötig.
Ist Ost-West oder Süd besser?
Süd bringt mehr Ertrag pro Modul, Ost-West mehr Leistung auf derselben Fläche und eine gleichmässigere Produktion über den Tag. Für Haushalte und Mehrfamilienhäuser ist Ost-West oft wirtschaftlicher.
Muss die Dachhaut für die Montage durchbohrt werden?
Nicht unbedingt. Ballastierte Systeme werden ohne Durchdringung montiert, erfordern aber eine Prüfung der Statik.
Lassen sich Gründach und Photovoltaik kombinieren?
Ja, mit ausreichend hoher Aufständerung. Die Begrünung kann als Ballast dienen und senkt die Modultemperatur.
Was passiert, wenn das Flachdach später saniert werden muss?
Dann muss die Anlage demontiert und wieder aufgebaut werden. Deshalb sollte eine absehbare Sanierung vor der Montage erfolgen.
Wie viel Förderung gibt es für 50 kWp auf einem Gewerbedach?
Für eine angebaute Anlage rund CHF 16'800 Einmalvergütung (30 × CHF 360 plus 20 × CHF 300), laut Branchenquellen.
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Weiterführende Seiten
Quellen (Stand Oktober 2026): Pronovo: Förderung Photovoltaik · Kanton Zürich: Leitfaden Solaranlagen · Swissolar: Was gilt neu ab 2026 · BFE: Sonnendach.ch. Tarife und Förderprogramme können ändern; massgebend sind die Angaben der jeweiligen Stelle.
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