Ratgeber Gewerbe und KMU
Photovoltaik für Gewerbe: Solarstrom für Betriebe im Kanton Zürich
Gewerbebetriebe verbrauchen ihren Strom vor allem tagsüber, also genau dann, wenn eine Solaranlage produziert. Grosse Dachflächen und neue Förderbestimmungen machen Photovoltaik für KMU, Werkstätten, Landwirtschaft und Logistik im Kanton Zürich besonders interessant.
Warum Solarstrom für Betriebe besonders gut passt
Bei Wohnhäusern liegt der Eigenverbrauch ohne Speicher als Richtwert bei 20 bis 35 %. Bei Betrieben mit Tagesbetrieb ist der Anteil meist deutlich höher: Maschinen, Kühlung, Lüftung, Druckluft, Beleuchtung und IT laufen dann, wenn die Sonne scheint. Je mehr Solarstrom direkt im Betrieb genutzt wird, desto schneller amortisiert sich die Anlage, denn eingespeister Strom bringt seit 2026 bei kleinen Anlagen nur noch mindestens 6,00 Rp./kWh und bei grösseren Anlagen weniger.
Hinzu kommen grosse, oft flache Dächer auf Hallen, Werkstätten und Lagergebäuden. Die spezifischen Kosten pro kW sinken mit der Grösse: Laut BFE-Preisbeobachtung liegen Anlagen von 10 bis 30 kW bei einem Median von CHF 1'700 bis 1'900 pro kW, exklusive MwSt, während kleine Anlagen von 2 bis 10 kW bei CHF 2'200 bis 2'500 liegen. Bei noch grösseren Anlagen sinken die Kosten pro kW in der Regel weiter; verlässliche Zahlen liefert aber nur eine konkrete Offerte.
Technische Hinweise zu Aufständerung, Ballast und Statik auf Hallendächern finden Sie im Ratgeber Photovoltaik auf Flachdächern.
Förderung nach Anlagengrösse
Für Gewerbeanlagen entscheidet die Leistung, welches Förderinstrument des Bundes gilt.
Individuelle Offerte erhaltenKLEIV bis 30 kW
angebaut / integriert
ca. CHF 360 / 400 pro kW
KLEIV 30–100 kW
angebaut / integriert, Anteil über 30 kW
ca. CHF 300 / 330 pro kW
GREIV ab 100 kW
Gesuch vor Baubeginn, Bau erst nach Zusage
grosse Einmalvergütung
HEIV ohne Eigenverbrauch
ab 150 kW Auktionen, max. 60 % der Referenzkosten
höhere Einmalvergütung
Parkflächenbonus
Anlagen über Parkplätzen ab 100 kW
CHF 250 pro kW
Winterstrombonus
ab 100 kW, über 500 kWh/kW im Winter
Bonus ab 2026
Neigungswinkelbonus
ab 75°, z. B. Fassade; integriert / angebaut
CHF 400 / 200 pro kW
Aktuelle Ansätze mit dem Tarifrechner von Pronovo prüfen. Der Winterstrombonus ersetzt seit 2026 den früheren Höhenbonus.
Rechenbeispiele für zwei Betriebsgrössen
Die folgenden Beispiele verwenden die Richtwerte aus dem Faktenblatt und vereinfachte Annahmen. Da Gewerbestromtarife je nach Netzbetreiber und Bezugsprofil stark variieren, rechnen wir mit dem EKZ-Haushaltstarif von rund 24,1 Rp./kWh nur als Vergleichswert. Setzen Sie für Ihre eigene Rechnung den Arbeitspreis aus Ihrer Stromrechnung ein.
Werkstatt mit 30 kWp
Investition nach BFE-Median: 30 kW × CHF 1'700 bis 1'900 = CHF 51'000 bis 57'000 exkl. MwSt. Einmalvergütung angebaut: 30 × CHF 360 = ca. CHF 10'800. Ertrag: rund 30'000 kWh pro Jahr. Bei einer Annahme von 60 % Eigenverbrauch nutzt der Betrieb 18'000 kWh selbst. Jeder Rappen Bezugspreis ist damit CHF 180 pro Jahr wert; beim Vergleichswert von 24,1 Rp. sind das ca. CHF 4'340. Die 12'000 kWh Einspeisung bringen zur Minimalvergütung von 6,0 Rp. weitere ca. CHF 720.
Gewerbehalle mit 80 kWp
Die Einmalvergütung wird gestaffelt berechnet: 30 kW × CHF 360 plus 50 kW × CHF 300 = ca. CHF 25'800 für eine angebaute Anlage. Ertrag: rund 80'000 kWh pro Jahr. Die Minimalvergütung für Einspeisung liegt bei 80 kW mit Eigenverbrauch nur noch bei 180 ÷ 80 = 2,25 Rp./kWh. Umso wichtiger ist es, die Anlage auf den Tagesverbrauch des Betriebs auszulegen und Überschüsse zum Beispiel über eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft an Nachbarn zu verkaufen.
Eigenverbrauch steigern, Strom teilen, Flotte laden
Für Betriebe gibt es mehrere Hebel, den Solarstrom besser zu nutzen. Prozesse mit hohem Strombedarf lassen sich oft in die Mittagsstunden legen, etwa das Laden von Staplern, das Vorkühlen von Kühlräumen oder das Aufheizen von Warmwasser. Elektrofahrzeuge der Firmenflotte können tagsüber mit Überschussstrom geladen werden. Die allgemeinen Prinzipien beschreibt der Ratgeber Eigenverbrauch optimieren.
Seit dem 1. Januar 2026 können Betriebe Überschüsse über eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) an Nachbarn in der gleichen Gemeinde, im gleichen Netzgebiet und auf der gleichen Netzebene verkaufen. Für den lokal geteilten Strom gilt ein Rabatt von 40 % auf das Netznutzungsentgelt. Bei Gewerbeliegenschaften mit mehreren Mietern ist auch ein ZEV oder vZEV möglich; die Modelle erklärt der Ratgeber Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern.
Ein Batteriespeicher kann bei Gewerbe auch zur Glättung von Lastspitzen dienen, wenn der Netztarif eine Leistungskomponente enthält. Ob sich das rechnet, hängt stark vom Tarif ab. Die Kosten pro kWh zeigt der Ratgeber Batteriespeicher Kosten Schweiz.
Bewilligung, Pflichten und Steuern im Kanton Zürich
Genügend angepasste Dachanlagen benötigen im Kanton Zürich keine Baubewilligung, sondern nur eine Meldung bei der Gemeinde mit einer Frist von 30 Tagen. In Kernzonen, bei Schutzobjekten oder im Ortsbildschutz ist eine Baubewilligung nötig. Bei Anlagen in Flughafennähe, etwa im Zürcher Unterland rund um Kloten, kann die Blendwirkung geprüft werden.
Neubauten müssen seit dem 1. September 2022 mindestens 10 W pro m² Energiebezugsfläche selbst erzeugen (§ 10c EnerG). Für eine neue Gewerbehalle mit 3'000 m² Energiebezugsfläche sind das mindestens 30 kW. Beim Kantonsrat liegt zudem eine Vorlage für eine Solarpflicht auf geeigneten Dächern über 300 m², bei bestehenden Bauten erst bei einer Dachsanierung. Sie ist noch nicht beschlossen, betrifft aber gerade Gewerbedächer.
Steuerlich wird eine geschäftlich genutzte Anlage in der Regel aktiviert und abgeschrieben. Die Behandlung von Einmalvergütung, Eigenverbrauch und Einspeiseerlösen hängt von der Rechtsform ab. Klären Sie Details mit Ihrer Steuerberatung. Kommunale Förderungen, etwa in Winterthur mit CHF 200 bzw. 100 pro kWp ab 30 kWp, können die Rechnung zusätzlich verbessern; mehr dazu unter Photovoltaik Förderung Zürich.
Checkliste für Unternehmen
Mit diesen Unterlagen erhalten Sie schneller vergleichbare Offerten.
Ablauf eines Gewerbeprojekts
01
Analyse und Dimensionierung
Verbrauchsprofil und Dachflächen werden verglichen, um die wirtschaftlich sinnvolle Grösse zu bestimmen.
02
Offerten und Entscheid
Über die Plattform erhalten Sie bis zu 10 Offerten regionaler Fachbetriebe mit Wirtschaftlichkeitsrechnung.
03
Gesuche
Meldung oder Baugesuch bei der Gemeinde, Anschlussgesuch beim Netzbetreiber und je nach Grösse GREIV-Gesuch bei Pronovo.
04
Bau und Inbetriebnahme
Montage und Netzanschluss durch einen Betrieb mit ESTI-Installationsbewilligung, danach Abnahme durch den Netzbetreiber.
Ihre persönliche Photovoltaik-Offerte
Beantworten Sie einige kurze Fragen – dauert ca. 2 Minuten.
FAQ
Häufige Fragen
Ab welcher Grösse muss ich die Förderung vor dem Bau beantragen?
Bei Anlagen ab 100 kW gilt die grosse Einmalvergütung (GREIV). Hier müssen Sie das Gesuch vor Baubeginn einreichen und dürfen erst nach der Förderzusage bauen.
Kann ich mein Dach an einen Investor vermieten?
Ja, Dachmiet- oder Contractingmodelle sind verbreitet. Der Betrieb kann den Solarstrom dann vom Anlagenbetreiber beziehen. Vertragsdauer, Rückbau und Haftung sollten sorgfältig geregelt werden.
Was ist der Parkflächenbonus?
Anlagen ab 100 kW über Parkflächen erhalten zusätzlich CHF 250 pro kW. Solarcarports können so Parkplätze beschatten und gleichzeitig Strom für Elektrofahrzeuge liefern.
Lohnt sich eine Anlage ohne Eigenverbrauch?
Für reine Einspeiseanlagen gibt es die höhere Einmalvergütung HEIV, ab 150 kW über Auktionen. Die Wirtschaftlichkeit hängt dann stark von Rückliefervergütung und Marktpreis ab.
Gilt die geplante Solarpflicht schon für mein Gewerbedach?
Nein, die Vorlage für Dächer über 300 m² ist noch nicht beschlossen. Für Neubauten gilt aber bereits die Eigenstrompflicht von 10 W pro m² Energiebezugsfläche.
Wie wird eine Firmenanlage steuerlich behandelt?
In der Regel wird sie aktiviert und abgeschrieben. Die Details hängen von der Rechtsform ab; klären Sie diese mit Ihrer Steuerberatung.
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Weiterführende Seiten
Quellen (Stand Oktober 2026): Pronovo: Förderung Photovoltaik · Swissolar: PV-Förderung · Swissolar: 2026 – was gilt neu für Photovoltaikanlagen · Kanton Zürich: Energieförderprogramm und Leitfaden Solaranlagen · EKZ: Rückliefertarife 2026. Tarife und Förderprogramme können ändern; massgebend sind die Angaben der jeweiligen Stelle.
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