Ratgeber Wirtschaftlichkeit
Lohnt sich Photovoltaik in der Schweiz?
Ob sich eine Solaranlage lohnt, entscheidet sich weniger am Modulpreis als am Verhältnis von Eigenverbrauch zu Einspeisung. Seit 2026 gelten neue Regeln für die Rückliefervergütung, gleichzeitig sind die Strompreise im Kanton Zürich unterschiedlich hoch. Wir rechnen nachvollziehbar vor, wann sich Photovoltaik amortisiert.
Die Kernfrage: Wie viel Solarstrom nutzen Sie selbst?
Jede Kilowattstunde Solarstrom, die Sie selbst verbrauchen, ersetzt Strom aus dem Netz. Sie sparen damit den vollen Bezugspreis inklusive Netznutzung und Abgaben. Im Kanton Zürich liegt dieser 2026 je nach Versorger bei rund 24 bis 30 Rappen pro kWh. Bei der EKZ sind es für einen typischen Haushalt (Profil H4, 4'500 kWh pro Jahr) rund 24,1 Rp./kWh, bei Stadtwerk Winterthur rund 30,5 Rp./kWh. Der Schweizer Median liegt laut ElCom bei 27,7 Rp./kWh.
Für Strom, den Sie ins Netz einspeisen, erhalten Sie dagegen deutlich weniger. Seit 1.1.2026 richtet sich die Rückliefervergütung schweizweit nach dem vierteljährlich gemittelten Referenz-Marktpreis. Im zweiten Quartal 2026 betrug dieser 3,896 Rp./kWh. Für Anlagen unter 30 kW gilt eine Minimalvergütung von 6,00 Rp./kWh, dazu kommt oft eine Vergütung für Herkunftsnachweise (HKN). Je nach Versorger ergeben sich so etwa 6 bis 13 Rp./kWh.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Eigenverbrauch ist je nach Versorger rund zwei- bis fünfmal so viel wert wie Einspeisung. Wie Sie den Anteil gezielt erhöhen, zeigt der Ratgeber Eigenverbrauch optimieren. Die Details zu den Tarifen finden Sie unter Einspeisevergütung Schweiz.
Wert einer Kilowattstunde Solarstrom 2026
Die Differenz zwischen Bezugspreis und Rückliefervergütung bestimmt, wie viel jede selbst verbrauchte Kilowattstunde bringt.
Individuelle Offerte erhaltenEKZ Bezugspreis H4
inkl. MwSt
ca. 24,1 Rp./kWh
Stadtwerk Winterthur Bezugspreis H4
inkl. MwSt
ca. 30,5 Rp./kWh
Schweizer Median H4
laut ElCom
27,7 Rp./kWh
EKZ Rücklieferung
Referenz-Marktpreis, mind. 6,00 Rp. + HKN bis 3,00 Rp.
ab 6,0 Rp./kWh
ewz Rücklieferung (Stadt Zürich)
Festmodell inkl. HKN und Solarförderung
ca. 12,91 Rp./kWh
Stadtwerk Winterthur Rücklieferung
Festpreis inkl. HKN, < 100 kW
Sommer 10 / Winter 13 Rp./kWh
Strompreise und Tarife ändern jährlich. Aktuelle Werte auf strompreis.elcom.admin.ch und beim lokalen Versorger prüfen.
Rechenbeispiel 1: Einfamilienhaus im EKZ-Gebiet
Annahmen: angebaute Anlage mit 10 kWp, Investition CHF 27'500 (Mitte der Richtwertspanne für 8 bis 15 kWp), Ertrag 1'000 kWh pro kWp, also 10'000 kWh pro Jahr. Ohne Speicher wird ein Eigenverbrauch von 30 Prozent angenommen, was im typischen Bereich von 20 bis 35 Prozent liegt.
Förderung: Die Pronovo-Einmalvergütung beträgt rund 10 × CHF 360 = CHF 3'600. Die Nettoinvestition liegt damit bei CHF 23'900.
Jährlicher Nutzen: 3'000 kWh Eigenverbrauch × 24,1 Rp. = CHF 723. 7'000 kWh Einspeisung × 6,0 Rp. Minimalvergütung = CHF 420. Zusammen rund CHF 1'143 pro Jahr. Wird die HKN-Vergütung von bis zu 3,00 Rp./kWh voll ausbezahlt, steigt der Einspeiseerlös auf CHF 630 und der Nutzen auf rund CHF 1'353.
Amortisation: CHF 23'900 geteilt durch CHF 1'143 ergibt rund 21 Jahre, mit voller HKN-Vergütung rund 18 Jahre. Bei Modullebensdauern von 25 bis 30 Jahren bleibt die Anlage damit im Plus, aber der Spielraum ist begrenzt. Hier kommt der Steuerabzug ins Spiel.
Effekt des Steuerabzugs
Auf bestehenden Bauten ist die PV-Anlage im Kanton Zürich als Unterhaltskosten abzugsfähig (Zürcher Steuerbuch ZStB 30.8), abzüglich Einmalvergütung. Nehmen wir für das Beispiel einen Grenzsteuersatz von 25 Prozent an, reduziert der Abzug von CHF 23'900 die Steuerlast um rund CHF 5'975. Die effektive Investition sinkt auf rund CHF 17'925, die Amortisation auf etwa 13 bis 16 Jahre. Ihr persönlicher Grenzsteuersatz kann deutlich abweichen. Klären Sie Details mit Ihrer Steuerberatung.
Rechenbeispiel 2: Einfamilienhaus in Winterthur
Gleiche Anlage, gleiche Investition, aber im Netz von Stadtwerk Winterthur. Zwei Dinge verändern die Rechnung deutlich: Der Strompreis ist mit rund 30,5 Rp./kWh höher, und die Stadt zahlt für Anlagen unter 30 kWp einen Zuschlag von 50 Prozent auf die Pronovo-Einmalvergütung.
Förderung: CHF 3'600 Einmalvergütung plus CHF 1'800 Zuschlag ergeben CHF 5'400. Nettoinvestition: CHF 22'100.
Jährlicher Nutzen: 3'000 kWh × 30,5 Rp. = CHF 915 Ersparnis. Für die Einspeisung rechnen wir vorsichtig mit dem Sommertarif von 10 Rp./kWh, weil der Grossteil des Solarstroms im Sommerhalbjahr anfällt: 7'000 kWh × 10 Rp. = CHF 700. Zusammen rund CHF 1'615 pro Jahr, die Amortisation liegt ohne Steuereffekt bei knapp 14 Jahren.
Für 2027 hat Stadtwerk Winterthur tiefere Rückliefertarife angekündigt (Sommer 9,00, Winter 11,70 Rp./kWh). Mit 9 Rp. sinkt der Einspeiseerlös auf CHF 630 und die Amortisation verlängert sich auf gut 14 Jahre. Mehr zur Situation vor Ort lesen Sie auf der Seite Photovoltaik Winterthur.
Amortisation im Vergleich
Individuelle Offerte erhaltenEKZ-Gebiet, Minimalvergütung
Nutzen ca. CHF 1'143/Jahr
ca. 21 Jahre
EKZ-Gebiet, inkl. HKN 3 Rp.
Nutzen ca. CHF 1'353/Jahr
ca. 18 Jahre
EKZ-Gebiet, mit Steuerabzug (25 % angenommen)
effektiv ca. CHF 17'925
ca. 13–16 Jahre
Winterthur, Tarif 2026
Nutzen ca. CHF 1'615/Jahr
ca. 14 Jahre
Winterthur, Tarif 2027 angekündigt
Nutzen ca. CHF 1'545/Jahr
gut 14 Jahre
Vereinfachte Rechnung ohne Strompreisänderungen, Leistungsabnahme der Module und Wechselrichterersatz. Sie zeigt Grössenordnungen, keine Garantie.
Was die Rechnung verbessert
Der stärkste Hebel ist der Eigenverbrauch. Im EKZ-Gebiet bringt jede zusätzlich selbst verbrauchte Kilowattstunde rund 18 Rappen mehr als die Einspeisung zur Minimalvergütung (24,1 minus 6,0 Rp.). Wer 1'000 kWh mehr selbst nutzt, verbessert den Jahresnutzen also um rund CHF 181. Eine Wärmepumpe oder ein E-Auto erhöhen den Eigenverbrauch deutlich, siehe Photovoltaik und Wärmepumpe kombinieren.
Auch die Anlagengrösse spielt mit: Grössere Anlagen sind pro kWp günstiger, speisen aber anteilig mehr ein. Ein Batteriespeicher erhöht den Eigenverbrauch, kostet jedoch zusätzlich CHF 8'000 bis 14'000 und wird vom Bund nicht gefördert. Ob er sich lohnt, klärt der Ratgeber Photovoltaik mit Batteriespeicher.
In der Stadt Zürich verbessern der vergleichsweise hohe ewz-Rückliefertarif von rund 12,91 Rp./kWh und die städtische Förderung mit einem Grundbeitrag von CHF 5'000 die Wirtschaftlichkeit spürbar. Details auf Photovoltaik Zürich. Einen Überblick über alle Zürcher Fördertöpfe gibt Photovoltaik Förderung Zürich.
Photovoltaik lohnt sich besonders, wenn …
Fazit: Für die meisten Dächer im Kanton Zürich ja
Mit Amortisationszeiten von grob 13 bis 21 Jahren und einer Lebensdauer der Module von 25 bis 30 Jahren lohnt sich Photovoltaik auf einem geeigneten Dach in den meisten Fällen. Entscheidend sind ein realistischer Offertpreis, ein möglichst hoher Eigenverbrauch und das Ausschöpfen aller Förderungen. Was eine Anlage konkret kostet, zeigt Was kostet eine Photovoltaikanlage in Zürich?. Für Projekte im Norden des Kantons lohnt ein Blick auf Photovoltaik Zürcher Unterland.
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FAQ
Häufige Fragen
Nach wie vielen Jahren amortisiert sich eine PV-Anlage?
In unseren Beispielen für ein Einfamilienhaus mit 10 kWp liegt die Amortisation je nach Versorger und Steuereffekt bei rund 13 bis 21 Jahren. Ein höherer Eigenverbrauch verkürzt diese Zeit.
Lohnt sich Photovoltaik trotz tiefer Einspeisevergütung?
Ja, sofern ein ausreichender Teil des Stroms selbst verbraucht wird. Eigenverbrauch spart 24 bis 30 Rp./kWh, Einspeisung bringt 6 bis 13 Rp./kWh.
Was gilt seit 2026 bei der Rückliefervergütung?
Die Vergütung richtet sich schweizweit nach dem vierteljährlichen Referenz-Marktpreis. Anlagen unter 30 kW erhalten mindestens 6,00 Rp./kWh, oft kommt eine HKN-Vergütung hinzu.
Lohnt sich eine kleine Anlage mehr als eine grosse?
Kleine Anlagen erreichen höhere Eigenverbrauchsquoten, sind aber pro kWp teurer. Oft ist es wirtschaftlicher, das geeignete Dach gut auszunutzen, vor allem wenn Wärmepumpe oder E-Auto vorhanden sind.
Spielt die Steuer eine grosse Rolle?
Im Kanton Zürich kann der Abzug als Unterhaltskosten auf bestehenden Bauten die effektive Investition deutlich senken. Die Höhe hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab. Klären Sie Details mit Ihrer Steuerberatung.
Muss ich Einspeiseerlöse versteuern?
Seit Dezember 2022 gilt im Kanton Zürich das Nettoprinzip: Steuerbar ist nur die Vergütung abzüglich des Strombezugs.
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Weiterführende Seiten
Quellen (Stand Oktober 2026): Swissolar: Was gilt neu ab 2026 · ElCom: Strompreise · Pronovo: Förderung Photovoltaik · EKZ: Rückliefertarife · Stadt Winterthur: Stadtwerk. Tarife und Förderprogramme können ändern; massgebend sind die Angaben der jeweiligen Stelle.
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